15.4.2026
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Report No. 5


Listed Real Estate Report No. 5 – Spring 2026



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Report No. 5

 

DER IMMOBILIENAKTIEN- UND REIT-MARKT IM ÜBERBLICK

Immobilienaktien und REITs haben in den fünf Monaten von Oktober bis Ende Februar zunächst eine   insgesamt relativ stabile Kursentwicklung vollzogen. Leichte Kursrückgänge zum Jahresende wurden zu Jahresbeginn größtenteils wieder aufgeholt. Mit dem Beginn des Irankriegs Ende Februar gingen  jedoch auch weltweite Kurserschütterungen einher, die im weiteren Verlauf bis Ende März umso stärker wurden, je deutlicher sich die weltweiten Konsequenzen für die Energiepreise und die Versorgung mit  wichtigen Ressourcen abzeichneten. Für die Immobilienbranche und damit auch für Immobilienaktien  und REITs ist diese Entwicklung vor allem deshalb relevant, als dass mit den steigenden Inflations- auch die Zinsrisiken wieder virulent geworden sind.

In der längerfristigen Betrachtung sollte nicht vergessen werden, dass die Performance von Immobilienaktien und REITs dem breiten Aktienmarkt weiterhin nachsteht. Der breit diversifizierte US-amerikanische Leitindex S&P 500 gab nach anfänglich stabiler bis leicht steigender Entwicklung mit Kriegsbeginn im Iran spürbar nach und stand Ende März in einem volatilen Umfeld 2,4 % unter dem Niveau von Anfang Oktober. Bis dahin waren im Januar zeitweise jedoch neue Rekordstände erreicht worden. Tendenziell ähnlich, allerdings mit stärkeren Amplituden entwickelte sich der deutsche Leitindex DAX, der am Ende des Sechs-Monats-Horizont mit 5 % im Minus lag.

Im Vergleich dazu konnten Immobilienaktien und REITs nun aber etwas an Boden gut machen. Der Total Return des einschlägigen FTSE EPRA Nareit Index im Zeitraum von sechs Monaten lag für Nordamerika bei 3,0 % (in US-Dollar), für Europa bei -2,5 % (in Euro), und damit besser als der breite Aktienmarkt – jedoch wie erwähnt von einem schwächeren Niveau ausgehend. Der Unterschied zeigt sich vor allem im langfristigen Vergleich: Im Fünf-Jahres-Vergleich hat der MSCI World einen annualisierten Netto-Total-Return (US-Dollar) von 10,3 % zu verzeichnen, der MSCI World REITs indes nur von 2,5 % – eine Under-Performance, die nicht zuletzt dem seither gestiegenen Zinsniveau zu verdanken ist, im Vergleich zu anderen Aktiensegmenten aber günstigere Einstiegskonditionen ermöglicht.

Diese anderen Aktiensegmente waren auch im zurückliegenden Halbjahr wieder sehr stark geprägt von der Performance bereits hoch bewerteter Tech-Werte, vor allem aus den USA und angetrieben vom allgegenwärtigen AI-Boom. Dahinter steckt jedoch auch ein Modell für börsennotierte Immobilienunternehmen, denn jede „virtuelle“ Rechenoperation, sei es ein AI-Prompt oder ein Streaming-Angebot – benötigt auch physische Infrastruktur: Im Wesentlichen sind das Datennetze und Rechenzentren.

Die beiden größten gelisteten Marktteilnehmer in diesem Bereich sind die US-amerikanischen REITs Equinix und Digital Realty. Der Aktienmarkt hat Equinix und Digital Realty allerdings offenbar deutlich vorsichtiger bewertet als die großen Tech- und AI-Gewinner, obwohl die Nachfrage nach Rechenzentrumsinfrastruktur sehr robust ist. Seit der Markteinführung von ChatGPT am 30. November 2022 bis zum Ende des dritten Quartals 2025 konnten beide Titel den S&P 500 zunächst nicht übertreffen: Digital Realty erzielte in diesem Zeitraum einen Total Return von 70,9 % und lag damit nur auf dem Niveau des Index, während Equinix mit 20,0 % deutlich darunterblieb. Damit konnte selbst der Immobiliensektor mit dem wohl größten Hype-Potenzial im Zuge des AI-Booms bis zum Abschlussstichtag des letzten Listed Real Estate Report keine Outperformance liefern. Ein möglicher Grund dafür ist, dass Equinix und Digital Realty hohe Capex- Investitionen tätigen mussten, um Datacenter-Entwicklungen mit attraktiven Profitmargen umzusetzen; diese Investitionen stärken zwar die langfristige Ertragsbasis, schränken aber kurzfristig die Ausschüttungsmöglichkeiten der REITs ein. Börsen gewichten jedoch häufig kurzfristig sichtbares Gewinnwachstum höher als Erträge, die sich erst mit Zeitverzug materialisieren.

Zugleich wurden die Hyperscaler und AI-nahen Plattformen vom Markt wohl eher als direkte Gewinner der AI-Wertschöpfung gesehen, während Rechenzentrums-REITs womöglich als kapitalintensive Enabler eingeordnet wurden. Gerade Equinix dürfte zudem nur eingeschränkt als direkter AI-Proxy wahrgenommen worden sein, weil Colocation- und Interconnection-Rechenzentren eher indirekt vom AI-Boom profitieren. Hinzu kommt, dass ein Teil der Marktbewertung bei Hyperscalern offenbar auch von der Erwartung getragen wurde, dass diese Unternehmen im Wettbewerb um immer leistungsfähigere AI-Modelle und womöglich um die Entwicklung einer Superintelligenz überproportional profitieren könnten. Rechenzentrumsanbieter stellen dafür zwar die notwendige physische Infrastruktur bereit, partizipieren an solchen technologischen Durchbrüchen aber eher indirekt. Zusätzlich kann selbst bei sehr starker Nachfrage die Monetarisierung im Datacenter-Sektor durch Stromverfügbarkeit, höhere Anschlusskosten, Bau- und Genehmigungsrisiken sowie insgesamt steigende Projektgrößen erschwert werden.

Stand heute hat sich dieses Bild nur leicht zu Gunsten der Rechenzentrums-REITs verändert: Seit dem  „Chat-GPT-Moment“ kommt Digital Realty bis zum 31.03.2026 auf einen Total Return von 80,8 % und Equinix auf 51,9 %, gegenüber 67,8 % für den S&P 500.

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"OUT- UND UNDERPERFORMER"

 

OUT- UND UNDERPERFORMER

In der Liste der Outperformer der vergangenen sechs Monate (per 31. März) befinden sich diesmal zwei  nordamerikanische Betreiber von Senior-Housing-Angeboten, und zwar die kanadische Extendicare Inc. (+79 %) sowie die US-amerikanische Brookdale Senior Living Inc. (+62 %).

Extendicare hat mit dem Kauf des Pflegeunternehmens CBI Home Health im November 2025 die   angestrebte Service-fokussierte Wachstumsstrategie forciert und mit der finanziell soliden Umsetzung der Transaktion offenbar den Zuspruch des Kapitalmarkts gewonnen. In Kombination mit starken   operativen Zahlen resultierte die Strategie von Extendicare dann in dem höchsten Total-Return des   Unternehmens-Samples über die vergangenen sechs Monate.

Auch der US-Healthcare-Anbieter Brookdale profitierte während des Betrachtungszeitraums von einem positiven Marktumfeld für Pflegeimmobilien und den damit eingehenden verbesserten operativen Kennzahlen. Hinzu kam noch die im Januar 2026 verkündete Refinanzierung von Hypotheken mit kurzer Restlaufzeit im Wert von circa 600 Millionen US-Dollar, deren mögliches Scheitern der Markt bis dahin in den Aktienkurs des Titels eingepreist haben dürfte.

Mit einem Plus von 60 % während der vergangenen sechs Monate erzielte Peakstone Realty Trust die   dritthöchste Rendite. Peakstone durchlief in den vergangenen Jahren eine strategische Neuausrichtung, trennte sich schrittweise von weiten Teilen des bis dato gehaltenen Büroportfolios und akquirierte insbesondere sogenannte Industrial-Outdoor-Storage-Assets (IOS). Diese Sub-Asset-Klasse befindet sich seit einiger Zeit aufgrund von vermehrtem Interesse durch institutionelle Investoren im Aufwind, nicht zuletzt durch das sehr schlanke Capex-Profil und das Potenzial von IOS-Assets, durch eine spätere Konversion der Flächen zur klassischen Logistiknutzung eine beträchtliche Mietsteigerung zu erzielen.

Peakstones überschaubare Marktkapitalisierung und der damit verbundene Kapitalkostennachteil dürfte dazu beigetragen haben, dass der Kapitalmarkt dem Unternehmen die geplante Wachstumsstrategie nicht mit wertsteigernder Wirkung auf Aktienebene zugetraut hatte. Der Return-Katalysator im Falle von Peakstone war dann auch externer Art, das Privatisierungsangebot von Brookfield im Februar 2026 bedeutete eine circa 34-prozentige Prämie auf den Aktienkurs des Vortags, die zusammen mit den vorhergehenden Kurssteigerungen in der drittbesten Performance des Samples resultierte.

Underperformer der vergangenen sechs Monate waren in erster Linie nordamerikanische Büroanbieter, mit Hudson Pacific Properties (-69 %) und Allied Properties REIT (-54 %) auf den Rängen zwei und drei. Die Top 15 der niedrigsten Returns respektive den größten Verlusten beinhaltet für den aktuellen Zeitraum insgesamt sieben nordamerikanische Büro-REITs. Im Büro-Sektor kam in den vergangenen Monaten zusätzlich zu den bereits bekannten Bedenken der Investoren – wie der Zunahme von Work-from-Home sowie hohen ESG- und Capex-Aufwendungen – und den historisch extrem niedrigen Cap-Rates als Ausgangspunkt noch die Befürchtung hinzu, dass gerade die Stellen der vorwiegend in Bürogebäuden arbeitenden „White-Collar“-Arbeitskräfte von einer bevorstehenden AI-Revolution gefährdet sein könnten.

Bei den beiden genannten REITs Hudson Pacific und Allied kommt zu diesen adversen Makrofaktoren   dann noch ein deutlich zu hoher Leverage hinzu, der sich mit der bestehenden Zinsunsicherheit zu einem toxischen Mix für die Aktienkursperformance der Titel in den vergangenen Jahren vermengt hat. Bei Allied sah sich das Unternehmens-Management weiterhin im Februar zur Refinanzierung durch die Ausgabe neuen Eigenkapitals zu extrem unvorteilhaften Konditionen gezwungen, was die Allied-Aktie alleine am Tag der Verkündung um knapp 28 % einbrechen ließ.

Den höchsten Verlust auf Total-Return-Basis mussten im diesmaligen Sechs-Monats-Zeitraum mit
82 % allerdings Investoren von Fermi Inc. hinnehmen. Das erst seit Oktober 2025 börsennotierte Unternehmen trat mit der Vision an, auf einem circa 21 km² großen Grundstück in der texanischen Hochebene ein gigantisches Rechenzentrumsprojekt zu entwickeln. Die geplante Kapazität des Projekts spielt sich mit bis zu 11 Gigawatt in Dimensionen ab, die sich oberhalb der Gesamtkapazität des weltweit größten Rechenzentrumsmarkts Northern Virginia befindet. Die bereits weiter oben beschriebenen Probleme der Rechenzentrums-REITs, insbesondere die schwierige Ausgangslage für sehr langfristige, kapitalintensive Projektentwicklungen mit bedingter Vorhersehbarkeit der zukünftigen Mieternachfrage kommen bei Fermi in verschärfter Form zum Tragen. Hinzu kamen Ende 2025 zurückgezogene Finanzierungszusagen eines (unbekannten) zukünftigen Mieters und das Ende der 180-tägigen IPO-Lockup-Periode am 30. März, das zu einem massiven Ausverkauf der Aktie führte.

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"M&A-AKTIVITÄTEN"

 

M&A-AKTIVITÄTEN

Bei den M&A-Aktivitäten sticht die geplante Übernahme des viertgrößten US-amerikanischen Self-Storage-Betreibers National Storage Affiliates (NSA) durch den Wettbewerber Public Storage (PSA) hervor. Derzeit läuft das Angebot, ein Abschluss wird für das dritte Quartal erwartet, das Transaktionsvolumen liegt bei circa 10,5 Milliarden US-Dollar. Die geplante Fusion reiht sich in eine Kette an Konsolidierungstransaktionen am US-Self-Storage-Markt ein, die mit dem Zusammenschluss von Extra Space und Life Storage im Jahr 2023 Public Storage zwischenzeitlich als größten Anbieter (auf Basis der Anzahl gehaltener Assets) vom ersten Platz verdrängte.

Das Potenzial für Effizienzsteigerungen im Rahmen von M&A-Transaktionen ist im Self-Storage-Geschäft besonders ausgeprägt. Die leichte Integrierbarkeit durch die hohe Homogenität der Assets und das verhältnismäßig unkomplizierte Ausrollen der massiven Marketing- und Daten-Plattformen großer Anbieter auf neue Storage-Facilities führten in den vergangenen Jahren zu beträchtlicher Deal-Aktivität. Im Ranking der größten Transaktionen der vergangenen sechs Monate liegt sodann auf dem zweiten Platz ein weiterer Deal im Self-Storage-Bereich, der geplante Verkauf des australischen Anbieters National Storage REIT (NSR) an Brookfield und GIC für circa 4 Milliarden Australische Dollar.

Die Top-3 der M&A-Transaktionen komplettiert die im Februar 2026 angekündigte Privatisierung von Veris Residential durch ein Konsortium unter Beteiligung von GIC für circa 3,4 Milliarden US-Dollar. Der Luxusapartment-Vermieter Veris Residential durchlief 2021 einen Strategiewechsel, weg von einer Büro-lastigen, diversifizierten Strategie, hin zu Apartment-Immobilien. Nach einer Reihe gescheiterter Übernahmeversuche durch private Investoren führte das Angebot im Februar dieses Jahres schließlich zur vom Management des REITs forcierten Privatisierung.

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"IMPLIED CAP RATES"

 

IMPLIED CAP RATES

Die Implied Cap Rates beschreiben das Verhältnis aus operativem Nettoeinkommen (in der Regel den Nettomieterträgen) zur Marktkapitalisierung einschließlich Nettoschulden. Sie sind…

  • ... in Europa im Retail-Segment auf aktuell 7,2 % gesunken. Die Bürorenditen liegen inzwischen mit 6,4 % leicht oberhalb der Wohnrenditen mit 6,3 %. Mit aktuell 5,4 % befinden sich die Logistik-Cap-Rates zwar im Anstieg, liegen aber immer noch deutlich unterhalb der Werte der anderen Segmente.

  • ... in Nordamerika im Bürosegment weiter deutlich auf inzwischen 9,5 % gestiegen. Leichte Anstiege der impliziten Renditen sind in den Segmenten Logistik (6,7 %) und Wohnen (6,4 %) zu verzeichnen,  wohingegen Einzelhandels-REITs mit 7,0 % zwar höhere, aber im historischen Vergleich stabile Cap  Rates aufweisen.

Europa 1

 

 

Nordamerika 1

 

Quelle: ACM; Fiskaljahre 2021–2025, 2026 per 31.03.2026.

Weitere Beobachtungen:

  • Die mit Abstand höchsten Yields sind weiterhin im nordamerikanischen Office-Segment zu   verorten. Hier haben die Bewertungen auf Basis des Net Operating Income (NOI) im Vergleich zum Endstand des Jahres 2025 sogar noch einmal deutlich nachgegeben. Die Gründe für die Malaise im Office-Sektor wurden bereits in der Sektion zu den Gewinner- und Verlierer-Aktien des aktuellen Reports angeschnitten. Insbesondere die Sorge der Investoren vor höheren Leerständen durch den Wegfall von Bürojobs durch die Weiterentwicklung von AI-Technologien dürfte den jüngsten Rückschlag für den Sektor verursacht haben.

  • In Europa zeigt sich im Office-Bereich ein abgeschwächtes, aber ähnliches Bild wie in Nordamerika. Auch hier befinden sich die Yields weiterhin im Anstieg, was auf eine anhaltende Skepsis des   Kapitalmarkts gegenüber der Assetklasse hindeutet. Auffällig ist außerdem die leicht positive   Entwicklung der Einzelhandels-Cap-Rates. Der bereits vor dem Bürosegment aus der Gunst der   Investoren gefallene Sektor scheint sich, wenn auch auf hohem Rendite-Niveau, zu konsolidieren.

Über die Implied Cap Rate

Als „Implied Cap Rate“ bezeichnet man das Verhältnis des operativen Nettoeinkommens (NOI) eines börsennotierten Immobilienunternehmens bzw. REITs zum Marktwert des Unternehmens (Marktkapitalisierung plus Verschuldung abzgl. liquider Mittel). Die Implied Cap Rate stellt somit das Äquivalent zur (am direkten Immobilienmarkt zentralen) Cap Rate dar. Anders als am direkten Markt, bei dem Immobilientransaktionen zur Ermittlung der Cap Rates herangezogen werden, erfolgt die Bewertung bei Immobilienaktien täglich im Rahmen des Börsenhandels als destillierte Einschätzung sämtlicher aktiver Marktteilnehmer. Steigende Implied Cap Rates können sowohl auf steigende operative Erträge (NOI) als auch auf sinkende Börsenkurse – oder beides – zurückgehen. Die Implied Cap Rates in Verbindung mit den Wachstumsaussichten eines Unternehmens stellen für uns eine wesentliche Kennzahl zur Beurteilung der Marktlage und der Bewertung einzelner Unternehmen und Sektoren dar. 

 

NAV-SPREAD

Bei den NAV-Spreads ist im Großen und Ganzen das Bild der letzten Ausgabe des AVENTOS Real Estate Report erhalten geblieben: In Nordamerika liegt das Gesamt-NAV-Premium bei 3,8 %, während der Discount in Europa auf 36,6 % zugelegt hat. Die starken Unterschiede in den Spreads zwischen den Kontinenten liegen zu weiten Teilen in den unterschiedlichen Gewichtungen der Immobiliensegmente begründet und nur teilweise an Bewertungsunterschieden innerhalb der Segmente zwischen Nordamerika und Europa.

Besonders auffällig ist die sehr starke Bewertung des nordamerikanischen Medical-Sektors (bestehend aus den Sub-Assetklassen Healthcare und Life Sciences), die seit dem vergangenen Report nochmals marginal zugelegt hat. Der dominierende Faktor des Phänomens ist weiterhin der knapp 140 Milliarden US-Dollar schwere Healthcare-Gigant Welltower Inc., der mit circa 7 % Anteil am EPRA-Developed-Index momentan der größte Bestandteil des Index ist. Allerdings profitieren auch weite Teile des verbleibenden US-Health-care-Samples von strukturellem Rückenwind. Schwache Neubautätigkeit, das in den Vereinigten Staaten inzwischen voll zum Tragen kommende Phänomen des „Silver Tsunami“, bei gleichzeitig nachlassender Skepsis gegenüber dem Sektor durch das Verblassen der Erinnerung an die Covid-Krise haben die Börsenbewertungen in den vergangenen Monaten stark getrieben. Weiterhin sind Data Center oder Net-Lease-Immobilien momentan an der Börse leicht oberhalb des intrinsischen Werts der jeweiligen Immobilienportfolios bewertet.

Den größten Discount weist das Office-Segment auf, aber auch Wohnen und Mobilfunkmasten sind an den Börsen vergleichsweise niedrig bewertet. Das Wohnsegment leidet aktuell an einem Angebotsüberhang resultierend aus der massiven Bautätigkeit der Jahre 2021 und 2022, die Mietsteigerungsergebnisse der betreffenden REITs für das Jahr 2025 enttäuschten entsprechend. Hinzu kommt, dass sich die im Bestand der gelisteten REITs befindlichen Apartments vorwiegend im oberen Preissegment und in Metropolregionen befinden. Dieses Teilsegment des Apartment-Mietmarktes ist besonders von der rückläufigen Dynamik am US-Arbeitsmarkt der letzten Monate betroffen.

Bei der auf NAV-Basis niedrigen Bewertung der Mobilfunkmasten („Tower-REITs“) dürfte nach wie vor die Zins-Frustration der Investoren eine Rolle spielen. REITs des Segments sind aufgrund allgemein niedriger Cap Rates im Tower-Sektor und dem damit einhergehenden geringen Spread zu risikolosen Zinssätzen besonders zinssensibel. Ein weiterer Tiefschlag für den Sektor bestand in der Aufkündigung der Tower-Mietverträge durch den US-Mobilfunk-Anbieter DISH in 2025, die mit beträchtlichen Mieteinbußen einhergehen dürfte und sich inzwischen in der Umsatz-Guidance der REITs für das Jahr 2026 bemerkbar macht.

In Europa hingegen ist der NAV-Discount relativ gleichmäßig verteilt. Etwas besser als die restlichen   Segmente steht der Einzelhandel da. Der Sektor hat sich von seinem Sorgenkind-Image, das aus dem   E-Commerce-Hype der Covid-Jahre resultierte, inzwischen befreit, Retail-Mieten befinden sich weitest-  gehend auf einem nachhaltigen Niveau und die Fundamentaldaten der Einzelhändler stellen sich vorteilhafter dar als in der Vergangenheit. Auffällig ist nach wie vor der hohe Discount im strukturell eigentlich sehr soliden Wohnsegment. Die mit Beginn der Irankriegs deutlich gestiegenen Inflationserwartungen und die daraus in der Regel resultierenden höheren Zinserwartungen treffen insbesondere den verhältnismäßig hoch verschuldeten deutschen Apartment-Bestandshalter Vonovia hart, der aufgrund seiner Größe das Segment dominiert.

 

 

Quelle: Eigene Darstellung auf Grundlage von Daten von S&P Capital IQ Pro.

 

 

Über den NAV-Spread

Der NAV-Spread drückt die Differenz zwischen der Marktkapitalisierung des entsprechenden Unternehmens an der Börse und dem Net Asset Value (NAV) aus, also der Bewertung des Immobilienportfolios und etwaiger sonstiger Vermögenswerte abzüglich Verschuldung. Ist der NAV größer als die Marktkapitalisierung, liegt ein NAV-Discount vor und die Aktie ist an der Börse vergleichsweise günstig zu haben – der Zugang über die Börse wäre also günstiger als der hypothetische direkte Kauf des gesamten Immobilienportfolios. Ist umgekehrt die Marktkapitalisierung größer als der NAV, liegt ein NAV-Premium vor.

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"KENNZAHLEN"

 

IMMOBILIENWIRTSCHAFTLICHE KENNZAHLEN

Die Vermietungsquoten sowie der Verschuldungsgrad börsennotierter Immobilienunternehmen sind   mitunter Anhaltspunkte, die deren Abschneiden bei NAV-Spreads sowie Implied Cap Rates erklären können.

Vermietungsquoten

Die durchschnittlichen Vermietungsquoten der einzelnen Segmente in Nordamerika und Europa unterscheiden sich – mit einer Ausnahme – nicht maßgeblich und haben sich in den vergangenen zwei Jahren weitgehend stabil entwickelt. Sie liegen fast durchweg bei 95 % und darüber. Aber nur fast: Bemerkenswert sind die anhaltend hohen Leerstände im Bürosegment. Das gilt beiderseits des Atlantiks, vor allem aber in Nordamerika.

 

Quelle: S&P Capital IQ Pro; Fiskaljahresende 2024 und 2025.

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"LEVERAGE"

 

LEVERAGE

Beim Verschuldungsgrad (Leverage) – also dem aufgenommenen Fremdkapital in Relation zum Unternehmenswert (Marktkapitalisierung plus Schulden, abzüglich liquider Mittel) – sind überwiegend leichte Anstiege zu beobachten, was tendenziell eher auf die schwache Kursentwicklung als auf eine größere Schuldenaufnahme zurückzuführen ist. Insbesondere das nordamerikanische Office-Segment sticht hierbei hervor. Relativ niedrig ist der Verschuldungsgrad weiterhin im Logistikbereich.

Hier wird die weitere Entwicklung in den kommenden Wochen und Monaten spannend zu beobachten sein, falls sich die großen Notenbanken aufgrund steigender Inflationsraten infolge des Irankriegs zu Zinserhöhungen veranlasst sehen und damit die Finanzierungskosten in die Höhe treiben sollten. Besonders stark betroffen dürften von einer solchen Entwicklung die europäischen Wohnungsunternehmen sowie Office-PropCos in Nordamerika und Europa sein, deren hoher Leverage zu beträchtlicher Zinssensitivität führt.

 

 

Quelle: ACM; Fiskaljahre 2021–2025, 2026 per 31.03.2026.

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"ACM SEKTOR MOMENTUM"

 

ACM SEKTOR MOMENTUM

Ein niedriges Momentum weisen derzeit die Office-Werte sowohl in Europa als auch in Nordamerika auf. Das ist insofern erstaunlich, als dass der Sektor auch in den vergangenen Jahren bereits massiv kriselte. Mit den aktuell beobachteten Implied Cap Rates erscheint der Sektor nun selbst unter Berücksichtigung der historischen Schwäche, vordergründig, als günstig. Anders verhält es sich im Logistiksektor. Auch dieser weist aktuell sowohl in Nordamerika als auch in Europa ein negatives Momentum auf. Die Boomjahre der Covid-Zeit sind hier einer nachhaltigeren Zukunftseinschätzung für das Segment gewichen. Die aktuell zu beobachtenden Logistik-Cap-Rates sind insofern im historischen Langfristvergleich nicht ungewöhnlich hoch.

Auf den vorderen Rängen des Momentum-Rankings befinden sich die Sektoren Rechenzentren, Einzelhandel und Medical. Die gegenwärtige Situation der Segmente wurde bereits diskutiert. Der hohe Momentum-Score des Rechenzentrumssektor wirkt in Anbetracht des bisher eher unterkühlten Blicks der Investoren auf das Segment überraschend. Insbesondere die erwähnte Zunahme von Development-Projekten in jüngster Zeit, die sich zwar in der Gesamtbewertung der REITs widerspiegelt, nicht jedoch in den Mieteinnahmen der vergangenen zwölf Monate (dem Zähler der Implied-Cap-Rate-Formel), dürften das Bild an dieser Stelle verzerren und Rechenzentren an der Börse „teurer“ erscheinen lassen, als sie aktuell tatsächlich sind.

Das ACM Sektor Momentum fällt zum Ende des ersten Quartals 2026 für die unterschiedlichen Sektoren wie folgt aus:

Europa 4

 

 

Über das ACM Sektor Momentum:

Der „ACM Sektor Momentum“-Indikator vergleicht das aktuelle Pricing eines Sektors auf Basis der Implied Cap Rates mit dem Pricing des Gesamtmarkts und setzt den Preisunterschied mit den historisch beobachteten Implied Cap Rates (seit 2020) ins Verhältnis. Ein Sektor mit einem negativen Momentum-Wert ist somit im historischen Vergleich an den Börsen relativ niedrig bepreist, ein Sektor mit einem positiven Momentum relativ hoch – immer gemessen an den Implied Cap Rates. Relativ hohe Implied Cap Rates entsprechen dabei relativ niedrigen Bewertungen.

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"FAZIT"

 

FAZIT

Nachdem sich zu Beginn des Jahres erste Züge der von Investorenseite langersehnten Erholung auf dem Listed-Real-Estate-Markt andeuteten, wurde diesen mit dem Beginn des Irankriegs Ende Februar 2026, zumindest vorübergehend, ein jähes Ende gesetzt. Beiderseits des Atlantiks handeln Immobilienaktien in den meisten Sub-Segmenten zu einem beträchtlichen Abschlag zum Net Asset Value. Ausnahmen bilden das US-amerikanische Healthcare-, Netlease- sowie Datacenter-Segment.

Spürbar ist zudem die zunehmend belastende Wirkung der AI-Technologie auf die Einschätzung der   Investoren auf die zukünftige Nachfrage nach Office-Flächen. Entsprechend viele Titel des Segments   befinden sich sodann unter den größten Kursverlierern des Halbjahrs. Halbjahresgewinner sind vor allem im in strukturellem Aufwind befindlichen Healthcare-Segment zu verorten.

Für den börsennotierten Immobilienmarkt insgesamt könnte sich die Kombination aus niedrigen   Bewertungen im Vergleich zum allgemeinen Aktienmarkt und die (mit Ausnahme des Office-Segments) niedrigere Disruptierbarkeit von Immobilien-Investments durch AI mittelfristig als Vorteil erweisen, sollte die Zinsentwicklung in den kommenden Monaten einer solchen Entwicklung nicht abermals zuwiderlaufen.

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"DISCLAIMER"

 

DISCLAIMER

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