31.10.2023
# joint venture immobilien# joint venture vereinbarung

Joint Venture


Joint Venture als strategischer Unternehmenszusammenschluss



Joint Ventures bieten die Möglichkeit, als Unternehmen eigenständig zu bleiben und gleichzeitig eine enge Kooperation mit einem anderen Unternehmen für gemeinsame Ziele einzugehen. Wir erklären, welche Vor- und Nachteile ein Joint-Venture-Unternehmen hat, welche Arten es gibt und wie du selbst ein Joint Venture gründen kannst.

Was ist ein Joint Venture?

Übersetzt man „Joint Venture“, wird die Bedeutung bereits klarer: Der Begriff kommt aus dem Englischen und heißt übertragen „Gemeinsames Wagnis/Risiko“. Es handelt sich zunächst um einen Zusammenschluss zweier oder mehrerer voneinander unabhängiger Unternehmen. Man spricht dabei auch von Gemeinschaftsunternehmen.


Laut Joint-Venture-Definition nach Handelsrecht verfolgen die kooperierenden Unternehmen ein gemeinsames Ziel. Dabei sind sie zwar rechtlich und wirtschaftlich voneinander unabhängig, sie tätigen jedoch gemeinsame Investitionen und teilen Risiken, Verantwortung sowie verschiedene Aufgaben. Der Zusammenschluss basiert auf einer vertraglichen Einigung.


Die Partnerunternehmen kombinieren ihre Ressourcen und beteiligen sich als eigenständige Unternehmen mit Kapital für das gemeinsame Ziel. Sie nehmen im Joint Venture eine Gesellschafterrolle ein. Die jeweilige Entscheidungsbefugnis hängt meistens von der Höhe der Kapitalbeteiligung bei Joint-Venture-Gründung ab.

 

Joint Venture und strategische Allianz: Was ist der Unterschied?

Unternehmen können sich auf verschiedenen Wegen zusammenschließen. Im Gegensatz zum Joint Venture wird bei einer strategischen Allianz in der Regel kein selbstständiges Unternehmen gegründet – es handelt sich lediglich um eine Kooperation in einzelnen Unternehmensbereichen. Diese Kooperation muss nicht zwingend vertraglich geregelt sein. Insgesamt gilt eine Allianz als lockerer und flexibler.

 

 

Joint-Venture-Beispiele und -Arten

Joint-Venture-Unternehmen lassen sich anhand der Rechtsform, der Kooperationsausrichtung und weiterer Kriterien unterscheiden. So spricht man beispielsweise von einem horizontalen Joint Venture , wenn die Partnerunternehmen aus der gleichen Branche kommen. Beim vertikalen Joint Venture kommen sie aus unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen. Hier findest du die Hauptunterschiede verschiedener Arten inklusive Beispiele für Joint Ventures.

Equity Joint Venture:

Ein Equity Joint Venture entsteht, indem Partnergesellschaften ein gemeinsames Unternehmen gründen. Dabei beteiligen sie sich mit eigenem Kapital und übernehmen Risiken, um in Zusammenarbeit Ziele zu erreichen. Als Rechtsform wird am ehesten die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gewählt, um eine Privathaftung zu umgehen.

Häufig werden Equity Joint Ventures zur Finanzierung von Immobilien genutzt. So können Immobilienprojekte bei geringerem Risiko verwirklicht werden. Beispielsweise schließt sich ein Bauunternehmen mit einem geldgebenden Unternehmen zusammen.

Contractual Joint Venture:

Das Contractual Joint Venture zeichnet sich als Sonderform dadurch aus, dass es sich um eine reine Vertragsbeziehung handelt. Ähnlich wie bei einer strategischen Allianz wird kein gemeinschaftliches, eigenständiges Unternehmen gegründet. Stattdessen basiert die Zusammenarbeit lediglich auf dem Joint-Venture-Vertrag. Im Vergleich zum Equity Joint Venture bietet die Vertragsgestaltung hier mehr Freiheiten. So können für das Contractual Joint Venture zum Beispiel Gewinn- und Verlustverteilung frei festgelegt werden. 

International und Domestic Joint Venture:

Auch die räumliche Dimension entscheidet über die gewählte Ausprägung des jeweiligen Joint-Venture-Projekts. Dabei kommt es insbesondere auf die Unternehmenssitze der Kooperationspartner an. Liegt mindestens ein Sitz im Ausland, so spricht man von einem International Joint Venture. Haben die beteiligten Unternehmen hingegen ihren Sitz im Inland handelt es sich um ein Domestic Joint Venture.

Als Domestic-Joint-Venture-Beispiel in Deutschland dient der Zusammenschluss aus Allianz und VW-Tochter Volkswagen Financial Service. Bei der Kooperation zwischen Volkswagen und dem Autohersteller Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) hingegen sitzt ein Partner des Joint Ventures im Ausland.

Ein aktuelles Beispiel aus dem Immobiliensektor ist das Joint Venture aus dem deutschen Immobilienkonzern Vonovia und US-Investor Apollo: Im April 2023 verkaufte Vonovia einen Minderheitsanteil seines "Südewo"-Portfolios an Apollo.

 

Joint Venture gründen: Das ist der Ablauf

Um ein Joint Venture zu gründen, gilt es einige Planungsschritte zu beachten. Zunächst sollte definiert werden, welches Ziel das Unternehmen mit einem Zusammenschluss verfolgt. Dazu passend, braucht es schließlich ein geeignetes Partnerunternehmen. Essenziell für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist, dass sich die Partner in ihren Kompetenzen ergänzen und gegenseitiges Vertrauen aufbringen.

Im Vorfeld an die eigentliche Joint-Venture-Vereinbarung finden Verhandlungen über Ziele, Aufgabenverteilung und mehr statt. Der Vertrag stellt als Joint-Venture-Erklärung die rechtliche Grundlage für eine gelungene Zusammenarbeit dar. Er sollte folgende Punkte beinhalten:

  • Gemeinsam definierte Ziele
  • Rechtsform
  • Finanzierung und Gewinnverteilung
  • Management
  • Beteiligung der einzelnen Unternehmen
  • Rechte und Verbote
  • Vorgehensweise bei Konflikten

 

Bei der Gründung eines Joint Ventures im Ausland spielen außerdem Standortbedingungen und landesspezifische Gesetzgebungen eine Rolle. Vor dem verbindlichen Zusammenschluss empfiehlt sich eine Sorgfalts- und Risikoprüfung (Due Diligence-Verfahren). So lassen sich potenzielle Chancen und Risiken erkennen.

 

Konsolidierung beim Joint Venture

Die Berücksichtigung des Joint-Venture-Unternehmens im Konzernabschluss der Joint-Venture-Partner bezeichnet man als Konsolidierung. Bei Joint Ventures gibt es verschiedene Methoden der Konsolidierung, je nachdem, wie die Beteiligungsverhältnisse und die Kontrolle über das Joint Venture geregelt sind: 

  • Equitymethode: Der Buchwert im Konzernabschluss spiegelt lediglich den Anteil des    Partnerunternehmens am Eigenkapital des Joint Ventures wider.
  • Quotenkonsolidierung (anteilmäßige Konsolidierung): Teile der Bilanz und der Gewinn- und    Verlustrechnung des Joint Ventures fließen entsprechend dem eigenen Anteil direkt in den    Konzernabschluss ein.


In der Regel kommt die Equitymethode zum Einsatz, welche auch Bestandteil des international anerkannten Rechnungslegesystems International Financial Reporting Standards (IFRS) ist. Hingegen ist die Methode der Quotenkonsolidierung seit 2014 im Rahmen der IFRS nicht mehr für Joint Ventures vorgesehen.

 

Joint Venture: Vor- und Nachteile

 

Joint Ventures bieten einige Vorteile und Chancen. Besonders interessant ist der Synergieeffekt: Die Unternehmen ergänzen sich in ihren Stärken und verfolgen ein gemeinsames Interesse. Hier weitere Vorteile im Überblick:

  • Effizienteres Arbeiten
  • Einsparung von Ressourcen
  • Verringerung unternehmerischer Risiken
  • Minimierung von Markteintrittsbarrieren
  • Ermöglichung von Wettbewerbsvorteilen
  • Möglichkeit von Investitionen ins Ausland

 

Joint Ventures bringen aber auch Nachteile und Gefahren mit sich. Zu den häufigsten gehören:

 

 

  • Konfliktpotenzial
  • Unterschiedliche Interessen
  • Hoher Organisationsaufwand
  • Rechtliche Grenzen
  • Sprachliche und kulturelle Barrieren
  • Abfluss von fachlichem Know-how

 

Was bedeutet Joint Venture also für Unternehmen? Die Erschließung neuer (ausländischer) Märkte gehört zu den attraktiven Chancen eines Joint Ventures. Maßgeblich für langfristigen Erfolg dieser intensiven Kooperation ist aber stets eine gute Beziehung zwischen den Partnerunternehmen. Ob die Gründung eines Joint Ventures sinnvoll ist, bedarf einer genauen Betrachtung des Einzelfalles.

 

Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Um spezifische Anlageempfehlungen zu erhalten, sollte eine Überprüfung und Beratung durch eine qualifizierte Fachperson erfolgen.


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